Südlich von Budva, wo die montenegrinische Küste allmählich ruhiger und sonnenverwöhnter wird, liegen zwei sehr unterschiedliche Orte nur eine halbe Stunde voneinander entfernt. Petrovac ist ein kleiner, intimer Ferienort, der sich um eine Bucht aus rötlichem Sand und eine venezianische Festung schmiegt. Bar ist eine geschäftige Hafenstadt mit Fähren nach Italien, einer ins Landesinnere Richtung Belgrad ansteigenden Bahnstrecke und einer der stimmungsvollsten Ruinenstädte der Adria, versteckt in den Hügeln dahinter. Zusammen bilden sie eine unkomplizierte und lohnende Kombination für alle, die Montenegros südliche Riviera erkunden.

Orientierung und Anreise
Petrovac und Bar liegen an Montenegros südlicher Adriaküste, aufgereiht entlang der Küstenhauptstraße, die von Budva hinunter zur albanischen Grenze führt. Beide sind gut angebunden und ohne großen Planungsaufwand zu erreichen.
- Mit dem Flugzeug: Der Flughafen Tivat ist der nächstgelegene, mit dem Auto etwa 40 Minuten bis eine Stunde von Petrovac entfernt. Der Flughafen Podgorica liegt etwas weiter weg, bedient die Region aber ebenfalls gut, und beide werden saisonal wie ganzjährig angeflogen.
- Mit dem Auto: Die Adria-Magistrale verbindet die gesamte Küste. Von Petrovac nach Bar dauert es etwa 25 bis 30 Minuten, von Budva nach Petrovac rund 20 Minuten. Ein Auto gibt Ihnen die Freiheit, die ruhigeren Strände und die Sehenswürdigkeiten im Landesinneren zu erreichen.
- Mit dem Bus: Montenegros Küstenbusnetz ist dicht getaktet und günstig, mit regelmäßigen Verbindungen zwischen Budva, Petrovac, Bar und Ulcinj.
- Mit der Bahn: Bar ist der südliche Endpunkt der berühmten Bahnstrecke Bar–Belgrad, einer der landschaftlich schönsten Zugreisen Europas.
Petrovac: ein kleiner Ferienort mit großem Herzen
Petrovac ist die Art von Ort, in die sich Reisende schnell verlieben. Die Stadt schmiegt sich an eine einzige geschützte Bucht, mit einer palmengesäumten Promenade, die sich über die gesamte Uferlänge zieht, und einem Strand aus feinem, rötlich-braunem Sand, der dem Wasser sein charakteristisches warmes Leuchten verleiht. Sie ist kompakt genug, um sie vollständig zu Fuß zu erkunden, und die sanfte, familienfreundliche Atmosphäre bildet einen bewussten Gegensatz zum Trubel von Budva weiter oben an der Küste.

Der Strand und die Festung Kastio
Der Stadtstrand ist das Herz von Petrovac, geschützt von grünen Landzungen und gesäumt von Cafés und Restaurants. An seinem südlichen Ende steht der Kastio, eine kleine venezianische Festung aus dem 16. Jahrhundert, die die Bucht vor Piraten und osmanischen Überfällen schützen sollte. Der Aufstieg zu den Wehrmauern ist kurz und leicht, und die Belohnung ist einer der schönsten Ausblicke an diesem Küstenabschnitt: der gesamte Schwung der Bucht, die vorgelagerten Inselchen und die pinienbewachsenen Hügel dahinter. Die Festung ist ein wunderbarer Ort bei Sonnenuntergang und im Sommer manchmal Schauplatz von Freilichtveranstaltungen.

Die beiden Inselchen: Katic und Sveta Nedjelja
Nur ein Stück vor der Bucht liegen zwei kleine Inselchen, die zum Wahrzeichen von Petrovac geworden sind. Katic ist das größere, während Sveta Nedjelja (Heiliger Sonntag) eine winzige Kapelle trägt, die der Überlieferung nach von Seeleuten aus Dankbarkeit für das Überstehen eines Sturms errichtet wurde. Von der Promenade oder der Festung aus sind sie ein schöner Anblick, und an ruhigen Sommertagen bieten örtliche Bootsführer kurze Fahrten hinaus an.
Über die Stadt hinaus: Lucice und Buljarica
Ein Teil von Petrovacs Reiz liegt darin, wie leicht man ihm entfliehen kann. Ein kurzer Spaziergang nach Süden über die Landzunge bringt Sie nach Lucice, einer kleinen, hübschen Bucht mit ruhigem, flachem Wasser, die bei Familien beliebt ist. Etwas weiter erreichen Sie Buljarica, einen langen, breiten und auffallend unbebauten Strand, umgeben von Grün und einem Küstenfeuchtgebiet. Buljarica ist einer der wilderen, natürlicheren Strände der Riviera, ein Favorit für alle, die Platz und Ruhe suchen.

Bar: Hafenstadt mit uralter Seele
Bar ist etwas völlig anderes. Dies ist Montenegros wichtigster Hafen und eine seiner größten Küstenstädte, ein Ort geschäftiger Häfen, Fähren, Märkte und alltäglichen Lebens statt postkartenschöner Altstadtgassen. Die moderne Stadt am Wasser ist eher funktional als malerisch, doch sie ist das Tor zu einigen wahrhaft bemerkenswerten Sehenswürdigkeiten und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt.
Der Hafen und die Fähren nach Italien
Bars Hafen ist der geschäftigste Montenegros und die wichtigste maritime Verbindung des Landes zur übrigen Welt. Regelmäßige Fährverbindungen verbinden Bar mit Häfen in Italien, allen voran Bari, was es zu einem beliebten Ankunfts- oder Abreisepunkt für Reisende macht, die Montenegro mit einem italienischen Reiseabschnitt verbinden. Die Fahrtenhäufigkeit ist saisonabhängig, daher lohnt es sich, die Fahrpläne im Voraus zu prüfen.

Stari Bar: die Ruinenstadt
Der wahre Schatz von Bar liegt etwa vier Kilometer landeinwärts und bergauf, am Fuße der Berge. Stari Bar (Alt-Bar) ist eine weitläufige befestigte Stadt, deren Ursprünge weit über tausend Jahre zurückreichen, durchzogen von illyrischer, byzantinischer, venezianischer und osmanischer Geschichte. Ein Großteil davon wurde durch eine Explosion im späten 19. Jahrhundert und später durch ein Erdbeben beschädigt, und heute steht sie als weitläufige und eindrucksvolle Ruine da: dachlose Kirchen, verfallende Paläste, ein Aquädukt, Hammams und verwinkelte Gassen, allesamt von dicken Verteidigungsmauern umschlossen und von erhaltenen Türmen überragt.
Ein Streifzug durch Stari Bar zählt zu den stimmungsvollsten Erlebnissen an der montenegrinischen Küste. Sie können zu Aussichtspunkten über das gesamte Gelände hinaufsteigen, über die Olivenhaine hinweg aufs Meer blicken und Ihren Besuch in der kleinen Ansammlung von Cafés und Kunsthandwerksläden ausklingen lassen, die rund um das Eingangstor entstanden sind.

Der alte Olivenbaum in Mirovica
Am Rande von Stari Bar, im Gebiet von Mirovica, steht einer der ältesten Olivenbäume der Welt, der gemeinhin als über zweitausend Jahre alt gilt. Sein gewaltiger, knorriger und ausgehöhlter Stamm ist ein lebendiges Denkmal der Olivenkultur, die diese Region seit Jahrtausenden geprägt hat, und er ist als Naturdenkmal geschützt. Er ist nur ein kurzer Abstecher von der Altstadt entfernt und den Besuch durchaus wert – eine Erinnerung daran, dass die Olivenhaine rund um Bar zu den bedeutendsten des Landes gehören.
Der Palast von König Nikola und die Eisenbahn
Zurück in der modernen Stadt, nahe dem Yachthafen, ist der Palast von König Nikola eine anmutige königliche Residenz aus dem späten 19. Jahrhundert, eingebettet in Gärten mit einer kleinen botanischen Sammlung, die montenegrinische Seeleute von ihren Fahrten mitbrachten. Heute beherbergt er ein Heimatmuseum und bildet einen angenehmen, schattigen Zwischenstopp. Bar ist außerdem als südlicher Endpunkt der Bahnstrecke Bar–Belgrad berühmt, einer außergewöhnlichen technischen Meisterleistung, die vom Meeresspiegel durch Tunnel und über Viadukte in die Berge ansteigt. Schon eine kurze Fahrt ins Landesinnere vermittelt einen Eindruck der dramatischen Landschaft, und die gesamte Reise gilt als eine der großen Zugreisen Europas.

Unterkunft und Gastronomie
Petrovac ist die naheliegendere Wahl für einen Urlaubsstandort. Die Unterkünfte werden von kleinen Hotels, familiengeführten Gästehäusern und Apartments geprägt, vieles davon in bequemer Gehweite zum Strand. Es eignet sich für Paare und Familien, die einen entspannten Aufenthalt am Meer suchen. Bar bietet ein breiteres Angebot an praktischen, städtischen Hotels und Apartments und eignet sich gut als Basis, wenn Sie mit der Fähre oder dem Zug anreisen oder die Südküste und die Sehenswürdigkeiten im Landesinneren erkunden möchten.
Beim Essen spielt die Küste ihre Stärken aus. Erwarten Sie frischen Adriafisch und Meeresfrüchte, gegrilltes Fleisch, lokal gepresstes Olivenöl und die Weine der Region Crmnica gleich im Hinterland. In Petrovac sind die Restaurants am Ufer der natürliche Treffpunkt; in Stari Bar sind die Cafés am Altstadttor ein reizvoller Ort für eine Pause.
Beste Reisezeit
Die Hauptsaison dauert von Juni bis August, wenn die Strände am belebtesten sind und das Meer warm ist. Für viele Reisende sind jedoch die Nebensaisonmonate Mai, Anfang Juni und September der ideale Zeitpunkt: angenehme Temperaturen, warmes genug zum Baden geeignetes Wasser und weitaus weniger Andrang. Besonders Stari Bar erkundet man am besten im sanfteren Licht und der kühleren Luft des späten Frühjahrs oder frühen Herbstes, da es zwischen den Ruinen kaum Schatten gibt.
Praktische Tipps
- Kombinieren Sie beide: Nehmen Sie Petrovac für die Strände als Standort und unternehmen Sie einen Halb- oder Ganztagesausflug nach Bar und Stari Bar.
- Tragen Sie in Stari Bar gutes Schuhwerk: Der Boden besteht aus unebenem Stein, und zu den besten Aussichtspunkten führt ein stetiger Anstieg.
- Bringen Sie Sonnenschutz und Wasser mit: Sowohl die Festung in Petrovac als auch die Ruinen in Stari Bar bieten im Sommer wenig Schatten.
- Prüfen Sie Fähr- und Zugfahrpläne im Voraus: Überfahrten nach Italien und längere Zugverbindungen variieren je nach Saison und können in den Hauptmonaten ausgebucht sein.
- Die Währung ist der Euro, und Bargeld ist für kleinere Cafés, Marktstände und Bootsfahrten zu den Inselchen nach wie vor praktisch.
Petrovac und Bar fangen zwei Gesichter des südlichen Montenegro auf einem einzigen kurzen Küstenabschnitt ein: den sanften, sonnenwarmen Charme eines kleinen Ferienorts und die tiefe, vielschichtige Geschichte eines uralten Hafens. Nehmen Sie beide zusammen, und Sie tragen ein vollständigeres Bild dieses schönen und noch immer herrlich unaufgeregten Winkels der Adria davon.




