
Andrijevica liegt im nordöstlichen Bergland Montenegros, dort wo die Zlorečica in den Lim mündet und die Straße zum Komovi-Massiv hin zu steigen beginnt. Der Ort ist klein genug, um ihn vom zentralen Platz aus in zehn Minuten zu Fuß zu durchqueren: eine Handvoll Läden und Cafés, eine Kirche über den Dächern und der gemächliche Verkehr eines Ortes, der seit weit über hundert Jahren das Verwaltungszentrum seines Tals ist. Die Morgen riechen nach Holzrauch und frisch gemähtem Heu statt nach Meersalz, und die Flüsse, die an den Häusern vorbeiziehen, sind klar genug für Forellen.
Was die meisten Besucher herführt, ist das Land oberhalb des Tals. Die Komovi zählen zu den eindrucksvollsten und am wenigsten überlaufenen Bergen Montenegros — kahle Felshörner über Buchenwald und offener Wiese, erreichbar über Wege, die durch Katune führen, die sommerlichen Hirtensiedlungen, in die Familien noch immer ihr Vieh hinauftreiben und wo sie Käse und Kajmak herstellen. Die Wandersaison reicht vom späten Frühjahr, wenn die Wiesen blühen, bis in den Oktober, wenn sich die Buchen kupferrot färben. Dieselben Straßen führen weiter nach Osten Richtung Plav und Prokletije und nach Westen zur Tara, sodass der Ort weniger als Zwischenübernachtung taugt denn als Standquartier für mehrere Tage mit Auto und Wanderschuhen. Die Winter sind hier richtig schneereich und sehr still.
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