
Prčanj säumt das Westufer der inneren Bucht und war ein oder zwei Jahrhunderte lang eines der bedeutenderen Dörfer der Adria: Seine Kapitäne betrieben die kaiserliche Postroute Richtung Konstantinopel, und ihre Häuser stehen noch immer an einer einzigen Uferstraße, die sich über Kilometer hinzieht. Das Wahrzeichen des Dorfes ist die Kirche Mariä Geburt, ein riesiger klassizistischer Bau am Hang, der mehr als hundert Jahre bis zur Fertigstellung brauchte und für den Ort völlig überdimensioniert wirkt — was zeigt, wie viel Geld hier einst durchging.
Nichts an Prčanj ist heute geschäftig. Die Uferfront dient als Promenade mit Badeleitern und ein paar Konobas; der gotische Palast der Drei Schwestern steht halb verfallen am Wasser; das benachbarte Stoliv bewahrt einen alten Kamelienhain, den die Bucht jedes Frühjahr mit einem eigenen Fest feiert. Kotor ist etwa fünfzehn Minuten am Ufer entlang, nah genug für einen Vormittag innerhalb der Mauern und den langen Aufstieg zur Festung, und dieselbe Straße führt über den Kamm weiter nach Tivat und zum Flughafen. Die Abende sind dafür da, dem Licht zuzusehen, wie es die andere Seite der Bucht verlässt, während Fähren und Yachten durch die Enge ziehen.
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