
Wer innerhalb der alten Mauern wohnt, erlebt Ulcinj in einem anderen Rhythmus. Die Morgen sind still — Lieferungen per Handkarren, Katzen auf warmem Stein, das Meer glatt und glasig unter den Wehrgängen —, die Besucherströme kommen erst am späten Vormittag und dünnen nach dem Abendessen wieder aus. Die Gassen sind kurz und steil, zur Orientierung braucht man etwa einen Tag; danach liest sich die Festung wie ein kleines, auf einer Landzunge gestapeltes Dorf, mit Galerien, Handwerksateliers und Terrassen überall dort, wo der Fels ebenen Grund hergibt.
Auf der Seeseite gelangt man direkt zu den Leitern und Felsplatten, die Einheimische zum Baden nutzen; wer lieber Sand mag, geht die Rampe hinunter zur Mala plaža. Die Restaurants innerhalb der Mauern bereiten Fisch schlicht zu und setzen auf Olivenöl und Zitrusfrüchte aus Ulcinj selbst; unten in der Stadt kommen Burek, Gegrilltes und albanisch geprägte Süßspeisen dazu. Alles Übrige geht von hier aus: Markt und Busbahnhof liegen zehn Minuten abwärts, Velika plaža beginnt wenige Kilometer südöstlich, und die Küstenstraße nach Norden führt zu den Oliventerrassen über Valdanos und zur Schwefelquellen-Bucht Ženska plaža.
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