Bar ist eine Stadt der Schichten. Wer die moderne Uferpromenade entlangspaziert, vorbei an Fährterminals und belebten Cafés, könnte in jeder beliebigen Hafenstadt am Mittelmeer sein. Doch vier Kilometer landeinwärts und bergauf beginnt eine vollkommen andere Welt: die eindringlichen Ruinen von Stari Bar, einer mittelalterlichen Stadt, die seit dem Bombardement von 1878 in der Zeit erstarrt ist. Diese Doppelgesichtigkeit macht Bar zu einem der faszinierendsten und am meisten unterschätzten Ziele Montenegros.
Als größte Hafenstadt Montenegros und Endpunkt der legendären Bahnstrecke Belgrad–Bar liegt Bar an einer Kreuzung — im wörtlichen wie im kulturellen Sinne. Slawische, albanische und türkische Einflüsse haben hier alles geprägt: die Architektur, das Essen, den Rhythmus des Alltags. Mit 46 Kilometern Küste, die von versteckten Buchten bis zu langen Sandstränden reicht, einem Olivenbaum, der älter ist als das Christentum, und einer Nachtfähre nach Italien bietet Bar eine Tiefe, die den meisten Montenegro-Reisenden verborgen bleibt.
Dieser Reiseführer enthält alles Wissenswerte über einen Besuch in Bar und Stari Bar — von den antiken Ruinen und bemerkenswerten Stränden bis hin zu praktischen Hinweisen zu Fähren, Zügen und den besten Adressen für gegrillten Fisch an der Adria.

Inhaltsverzeichnis
- Über Bar
- Stari Bar (Altstadt von Bar)
- Der alte Olivenbaum
- Der Palast von König Nikola
- Strände
- Fähre nach Bari, Italien
- Bahnstrecke Bar–Belgrad
- Essen und Trinken
- Olivenöl & regionale Produkte
- Tagesausflüge von Bar
- Unterkünfte
- Anreise
- Praktische Tipps
Über Bar
Bar ist die wichtigste Hafenstadt Montenegros und Verwaltungssitz der gleichnamigen Gemeinde mit rund 40.000 Einwohnern. Die Stadt liegt an der südlichen Adriaküste zwischen dem Meer und dem eindrucksvollen Gebirgszug Rumija und nimmt damit eine strategisch bedeutsame Lage ein, die verschiedene Reiche seit über tausend Jahren zu schätzen wussten.
Was den meisten Besuchern zuerst auffällt: Bar wirkt wie eine echte, arbeitende Stadt und nicht wie eine polierte Touristenkulisse. Der Hafen wickelt Frachtverkehr und Personenfähren ab. Vom Bahnhof fahren Züge nach Belgrad und Podgorica. Den breiten Boulevard säumen Geschäfte, Banken und Cafés, in denen selbst in der Hochsaison mehr Einheimische als Touristen sitzen. Genau diese Echtheit macht den Reiz aus.
Die Gemeinde Bar besitzt die längste Küste aller montenegrinischen Städte — beachtliche 46 Kilometer, die alles umfassen: erschlossene Stadtstrände ebenso wie wilde, von Klippen gesäumte Buchten. Die Landschaft wandelt sich dabei stark, von sanften Sandbuchten bei Sutomore im Norden bis zu den schroffen, olivenbewachsenen Hängen um Utjeha und Valdanos im Süden.
Kulturell ist Bar ein Ort der Begegnung. Zur Bevölkerung zählen montenegrinische Slawen ebenso wie eine bedeutende albanische Gemeinschaft, und Jahrhunderte osmanischer Herrschaft haben eine weitere Dimension hinzugefügt. Auf dem Markt hört man mehrere Sprachen, Moscheen stehen neben orthodoxen Kirchen. Die Küche verbindet adriatische Fischtraditionen mit deftigem Balkangrill und feinen türkischen Einflüssen — eine multikulturelle Vielschichtigkeit, die einheitlichere Touristenorte nicht bieten können.
Das moderne Bar — zur Unterscheidung von den mittelalterlichen Ruinen oberhalb oft „Neu-Bar“ genannt — entstand größtenteils in jugoslawischer Zeit und nach dem verheerenden Erdbeben von 1979. Die Architektur ist eher funktional als schön, doch die jüngsten Investitionen in Uferpromenade, Marina und öffentliche Plätze verändern das Bild.
Stari Bar (Altstadt von Bar)
Vier Kilometer landeinwärts von der modernen Stadt, an einem Hang unterhalb der Felsflanken des Rumija-Massivs, liegen die Ruinen von Stari Bar, der Altstadt von Bar. Dies ist ohne Übertreibung einer der atmosphärischsten historischen Orte des gesamten Balkans — und selbst im Hochsommer erstaunlich wenig besucht.

Eine zerstörte Stadt
Stari Bar war über tausend Jahre lang ununterbrochen bewohnt. Römer, Byzantiner, slawische Fürsten, Venezianer und Osmanen hielten die Stadt zu verschiedenen Zeiten. In ihrer Blütezeit umfasste die Festungsstadt rund 240 Bauwerke — Wohnhäuser, Kirchen, Moscheen, Paläste, Badehäuser, Läden und öffentliche Gebäude —, alle eng zusammengedrängt hinter Wehrmauern, die den steilen Hang bis zur Festung auf dem Gipfel hinaufzogen.
Das Ende kam 1878, während des montenegrinischen Unabhängigkeitskrieges gegen das Osmanische Reich. Montenegrinische Truppen belagerten und beschossen die Stadt. Nach der osmanischen Kapitulation floh ein Großteil der damals überwiegend albanischen und türkischen Bevölkerung oder wurde vertrieben. Die Stadt wurde geplündert und weitgehend aufgegeben. Brände, Erdbeben — allen voran das verheerende Beben von 1979 — und mehr als ein Jahrhundert der Vernachlässigung vollendeten die Zerstörung.
Was heute bleibt, ist eine weitläufige Ruinenlandschaft unter freiem Himmel: dachlose Steinmauern, die wie ein Skelett gegen den Himmel stehen, Torbögen, die in leere, dem Wetter preisgegebene Räume führen, Treppen, die ins Nichts hinaufsteigen. Der Anblick geht tief.
Sehenswertes
Betreten wird das Gelände durch ein Haupttor, an dem ein geringer Eintritt fällig wird (etwa 3 Euro). Von dort führt ein Netz aus Steinwegen und Treppen bergauf durch die Ruinen. Zu den Höhepunkten zählen:
Die Zitadelle (Festung): am höchsten Punkt der Stadt, mit weitem Blick über die Ruinen, die Küstenebene und die Adria. Der Aufstieg ist steil, aber lohnend.
Osmanische Moscheen: Mehrere Moscheeruinen sind erhalten, darunter die Omerbašića-Moschee mit ihrem markanten Minarettsockel. Sie erinnern daran, dass Stari Bar jahrhundertelang unter osmanischer Verwaltung stand.
Architektur der Venezianerzeit: Achten Sie auf Fenster und Türbögen im gotischen Stil aus der Zeit venezianischen Einflusses (15. Jahrhundert). Die Kirche der Heiligen Veneranda und die Überreste der Kathedrale des Heiligen Georg zeugen vom katholischen Erbe der früheren mittelalterlichen Stadt.
Das Aquädukt: Unmittelbar außerhalb der Hauptmauern stehen die Reste eines osmanischen Aquädukts aus dem 16. Jahrhundert, das einst Wasser in die Stadt leitete. Mehrere Bögen sind erhalten und besonders fotogen.
Der Hamam (türkisches Bad): die Überreste des Badehauses aus osmanischer Zeit, erkennbar an den Kuppelräumen.
Planen Sie mindestens 90 Minuten ein, um das Gelände in Ruhe zu erkunden, und mehr, wenn Sie bis zur Festung hinauf wollen. Tragen Sie festes Schuhwerk — die Wege bestehen aus unebenem Stein, und stellenweise klettert man über Geröll. Nehmen Sie Wasser mit, besonders im Sommer, denn Schatten gibt es zwischen den Ruinen kaum.
Auch die kleine Siedlung vor dem Tor, das Dorf Stari Bar, lohnt einen Bummel. An der Straße zum Eingang reihen sich traditionelle Steinhäuser, von denen einige zu Restaurants und Läden hergerichtet wurden. Hier kann man Olivenöl, Honig und getrocknete Feigen direkt von den Erzeugern kaufen.
Der alte Olivenbaum
Im Weiler Mirovica, nur einen kurzen Fußweg vom Eingang zu Stari Bar entfernt, steht ein Baum, der schon uralt war, als das Römische Reich noch jung war. Der alte Olivenbaum von Mirovica (Stara Maslina) wird auf über 2.000 Jahre geschätzt. Damit gehört er zu den ältesten lebenden Bäumen Europas und ist zweifellos der älteste Montenegros.

Der Baum ist gewaltig: Sein Stamm ist ungeheuer dick und tief zerfurcht, von zwei Jahrtausenden Wachstum zu fast bildhauerischen Formen verdreht. Trotz seines Alters trägt er noch immer Oliven. Eine hölzerne Aussichtsplattform lässt Besucher seine Ausmaße erfassen, ohne das Wurzelwerk zu beschädigen.
Der alte Olivenbaum steht als Naturdenkmal unter Schutz und ist zum Sinnbild für Frieden und Beständigkeit in der Region Bar geworden. Der Überlieferung nach wurden unter seinen Zweigen einst Streitigkeiten beigelegt. Für den Besuch wird ein kleiner Eintritt erhoben.
Praktisch gesehen lässt sich der Baum gut mit einem Besuch von Stari Bar verbinden — beide liegen im selben Gebiet, rund vier Kilometer von Neu-Bar entfernt. Viele Besucher gehen zu Fuß von einem Ort zum anderen, was auf einer angenehmen Straße durch Olivenhaine etwa 15 bis 20 Minuten dauert. Diese Kombination aus uraltem Baum und uralter Stadt ergibt einen der eindrucksvollsten Halbtagesausflüge, die Montenegro zu bieten hat.
Der Palast von König Nikola
Zurück in Neu-Bar, nahe der Uferpromenade, steht der Palast von König Nikola, eine elegante Residenz aus dem 19. Jahrhundert, die heute als Museum und Kulturzentrum dient. Errichtet wurde er 1885 als Sommersitz für Montenegros König Nikola I. Petrović-Njegoš; er zählt zu den schönsten Gebäuden der modernen Stadt.
Zur Anlage gehören das Hauptgebäude, eine kleine Kapelle und weitläufige botanische Gärten, die sich zum Meer hinab neigen — bepflanzt mit Palmen, Zypressen, Oleander und exotischen Arten, die im milden Klima von Bar gedeihen. Auch wer das Museum auslässt, sollte hier spazieren gehen.
Im Inneren zeigt das Museum Objekte zur Geschichte Bars: archäologische Funde, historische Fotografien, Trachten und Stücke aus der Königszeit. Die Sammlung ist überschaubar, aber ansprechend präsentiert, und das Gebäude selbst bleibt die Hauptattraktion. Der Palast ist zudem Schauplatz kultureller Veranstaltungen und Konzerte, vor allem im Sommer.
Strände
Mit 46 Kilometern Küste bietet die Gemeinde Bar eine außergewöhnliche Vielfalt an Stränden. Anders als die gepflegten Hotelstrände von Budva oder die spektakuläre Fjordkulisse von Kotor sind die Strände um Bar meist naturbelassener, weniger überlaufen und erfrischend frei von der Massentourismus-Atmosphäre weiter nördlich.
Veliki Pijesak
Der Name bedeutet „Großer Sand“, und der Strand hält, was er verspricht. Er ist einer der größten und schönsten Sandstrände Montenegros und zieht sich in weitem Bogen zwischen felsigen Landzungen hin. Das Wasser ist sauber, der Sand weich — an dieser überwiegend felsigen Küste eine echte Seltenheit. Er liegt zwischen Bar und Sutomore und kann im Juli und August voll werden, aber von Budvaer Verhältnissen ist er weit entfernt.
Sutomore
Sutomore ist streng genommen ein eigener kleiner Ort nördlich von Bar und hat einen langen, gut erschlossenen Strand, der bei serbischen und montenegrinischen Familien beliebt ist; viele kommen mit dem Zug, denn der Ort hat einen eigenen Bahnhof an der Strecke Belgrad–Bar. Der Strand besteht aus Sand und feinem Kies, das Wasser ist flach und warm. Glamour findet man hier nicht, dafür eine ehrliche, unprätentiöse Urlaubsstimmung.
Čanj
Südlich von Sutomore liegt Čanj in einer geschützten Bucht, mit einem angenehmen Strand und ruhigerem Charakter. Die Hänge sind von mediterraner Vegetation bedeckt, und die Lage ist deutlich malerischer. Eine gute Wahl für alle, die ein Strandquartier abseits des Trubels suchen.
Utjeha
Weiter südlich Richtung Ulcinjliegt Utjeha, bekannt für mineralreiche Thermalquellen, die ins Meer münden. Die Strände bestehen überwiegend aus Kies und Fels, doch das Wasser ist außergewöhnlich klar, und das Zusammenspiel von warmen Quellen und kühlem Meer macht das Baden zu einem ungewöhnlichen Erlebnis.
Dobra Voda
Der Name bedeutet „Gutes Wasser“, und das Dorf wird ihm gerecht. Es liegt an einem Hang über einer Reihe kleiner, hübscher Strände, bietet großartige Ausblicke die Küste hinab und hat seinen dörflichen Charakter bewahrt.
Valdanos
Das hier ist etwas Besonderes. Valdanos ist eine tiefe, geschlossene Bucht — beinahe ein Miniaturfjord —, umgeben von alten Olivenhainen mit rund 80.000 Bäumen. Das Wasser leuchtet in einem beinahe irrealen Grün. Die felsigen Ufer eignen sich eher zum Schwimmen und Kajakfahren als zum klassischen Sonnenbaden, doch die Landschaft ist außergewöhnlich. Erreichbar ist die Bucht über eine kurvenreiche Straße von der Hauptstraße aus.

Königinnenstrand (Kraljičina Plaža)
Ein kleiner, abgeschiedener Strand, der Überlieferungen zufolge die Lieblingsbucht der Frau von König Nikola war. Ein Pfad von der Hauptstraße führt hinunter, und der Ort hat sich seine versteckte Abgeschiedenheit bewahrt. Felsig, mit kristallklarem Wasser — er belohnt alle, die ihn suchen.
Fähre nach Bari, Italien
Zu den praktischsten und zugleich romantischsten Angeboten Bars zählt die Nachtfähre ins italienische Bari. Sie ist die einzige direkte Seeverbindung zwischen Montenegro und Italien und macht Bar zu einem echten Tor zwischen dem Balkan und Westeuropa.
Die Fähren legen in der Regel abends ab und kommen am frühen Morgen an — man schläft auf der einen Seite der Adria ein und wacht auf der anderen wieder auf. Die Verbindung besteht ganzjährig, im Sommer mit dichterem Fahrplan.
Praktische Hinweise
- Dauer: 9–11 Stunden (über Nacht)
- Schiffe: große Autofähren mit Kabinen, Deckplätzen, Restaurants und Aufenthaltsräumen
- Fahrzeuge: Pkw, Motorräder und Wohnmobile können mitgenommen werden
- Buchung: im Sommer frühzeitig reservieren, besonders mit Fahrzeug
- Kabinenkategorien: Von Mehrbettkabinen (günstig) bis zur privaten Kabine (komfortabel). Am billigsten reist man auf dem Deck.
- Lage des Hafens: Zentral in Neu-Bar gelegen, zu Fuß vom Bus- und vom Bahnhof aus erreichbar
Ein Tipp aus Erfahrung: Buchen Sie lieber eine Kabine als einen Deckplatz. Der Aufpreis ist gering, und wer in einem richtigen Bett schlafen kann, erlebt die Überfahrt als Vergnügen statt als Geduldsprobe.
Die Bahnstrecke Bar–Belgrad
Die Bahnstrecke Bar–Belgrad ist weit mehr als eine Verbindung von A nach B. Sie zählt zu den großen Panoramastrecken Europas: 435 Kilometer, die vom Meeresspiegel an der Adria auf über 1.000 Meter ins montenegrinische Hochland steigen und dann durch Serbien nach Belgrad hinabführen. Die gesamte Fahrt dauert rund 11 Stunden – und jede einzelne davon hat etwas zu bieten.

Die Strecke
Von Bar aus folgt der Zug zunächst kurz der Küste, bevor er ins Landesinnere abbiegt und zu steigen beginnt. Die Landschaft verändert sich rasch – von mediterranen Oliven- und Zitrushainen zu dichten Wäldern, tiefen Flussschluchten und der Hochebene um Kolašin. Die Strecke führt durch die spektakuläre Morača-Schlucht, streift den Skadarsee und überquert die kontinentale Wasserscheide.
Viadukt Mala Rijeka
Der bautechnische Höhepunkt ist das Viadukt Mala Rijeka: Mit 198 Metern über dem Fluss ist es die höchste Eisenbahnbrücke Europas. Während der Zug hinüberrollt, fällt die Schlucht unter Ihnen ins Bodenlose – ein Nervenkitzel, der auch ein wenig Angst macht. 1976 fertiggestellt, gilt das Bauwerk bis heute als Meisterleistung der Ingenieurskunst.
Die Zahlen sprechen für sich: 254 Tunnel und 234 Brücken auf 435 Kilometern. Der Bau der Strecke dauerte 24 Jahre und war eines der ehrgeizigsten Infrastrukturprojekte Jugoslawiens.
Praktische Hinweise
- Dauer: Rund 11 Stunden für Bar–Belgrad
- Wagenklassen: Erste und zweite Klasse
- Aussicht: In Fahrtrichtung Belgrad links sitzen – von dort sieht man Schluchten und Viadukt am besten
- Kürzere Abschnitte: Bar–Podgorica (eine Stunde) oder Bar–Kolašin (3–4 Stunden) zeigen die schönsten Gebirgspassagen, ohne dass man sich die ganze Fahrt vornehmen muss
Auch wer gar nicht nach Belgrad muss, sollte einen Abschnitt dieser Strecke fahren – allein des Erlebnisses wegen. Die Landschaft ist grandios, der Fahrpreis minimal.
Essen und Trinken
Die Gastronomie in Bar spiegelt den multikulturellen Charakter der Stadt. Neben traditioneller montenegrinischer Küche finden Sie albanisch geprägte Gerichte, Grillfleisch nach türkischer Art und natürlich hervorragende Meeresfrüchte aus der Adria.
Neu-Bar
Die Uferpromenade ist gesäumt von Restaurants und Cafés, viele mit Terrassen zum Hafen hin. Fisch und Meeresfrüchte dominieren: ganze gegrillte Fische (brancin oder orada), schwarzes Risotto, Oktopussalat und gemischte Platten. Die Qualität schwankt – halten Sie sich an Lokale, in denen Einheimische essen, vor allem an solche mit einem festen Mittagspublikum. Auch der Markt (pijaca) lohnt einen Besuch: frisches Gemüse, Käse aus der Region, geräucherte Wurstwaren und Oliven.
Rund um Stari Bar
Die kleinen Restaurants und Konobas (traditionelle Wirtshäuser) am Eingang von Stari Bar gehören zum Besten, was die Region kulinarisch zu bieten hat. Die Familienbetriebe servieren Hausmannskost zu sehr moderaten Preisen – lange geschmortes Lamm, gefüllte Paprika, Grillfleisch, frische Salate und selbst gebackenes Brot.
Mehrere von ihnen haben schattige Terrassen mit Blick auf die Ruinen. Ein Teller luftgetrockneter Schinken (pršut), eine Schale Oliven, eine Flasche montenegrinischer Rotwein – und dazu der Blick auf die mittelalterlichen Mauern: ein Reisemoment, der bleibt.
Was Sie probieren sollten
- Lamm unter dem Sač (ispod sača): Langsam gegart unter einer Metallglocke, die mit Glut bedeckt wird. Das Fleisch zerfällt förmlich. Meist wird das Gericht für Gruppen zubereitet und muss unter Umständen vorbestellt werden.
- Gegrillter Fisch: Fragen Sie, was am jeweiligen Tag frisch ist. Ganzer gegrillter Fisch mit blitva (Mangold mit Kartoffeln und Olivenöl) ist ein Klassiker der Küste.
- Burek und Pita: Blätterteig, gefüllt mit Fleisch, Käse oder Spinat – ein Erbe der osmanischen Küche, in ganz Bar beim Bäcker erhältlich.
- Leber nach albanischer Art (džigerica): Schlicht gewürzt gegrillt und mit rohen Zwiebeln serviert. Nicht jedermanns Sache, aber typisch für die Gegend.
- Türkischer Kaffee: In vielen traditionellen Lokalen rund um Bar nach wie vor der Standard. Serviert wird er in der džezva, dazu ein Glas Wasser.
Olivenöl & regionale Produkte
Bar ist Montenegros Olivenhauptstadt. Auf dem Gemeindegebiet stehen schätzungsweise 100.000 Olivenbäume, viele davon jahrhundertealt; die Ölproduktion ist tief in der lokalen Identität verwurzelt. Die gesamte Landschaft – allen voran der Hain von Valdanos und die Hänge zwischen Neu-Bar und Stari Bar – wird von Oliven geprägt.

Olivenölverkostung
Mehrere Erzeuger im Raum Bar bieten Olivenölverkostungen an. Das hiesige Öl ist eher kräftig und pfeffrig; es wird vor allem aus der regionaltypischen Sorte žutica gewonnen. Die Qualität hat spürbar zugelegt, seit jüngere Produzenten in moderne Pressen investieren, ohne den traditionellen Anbau aufzugeben.
Achten Sie auf Öl, das die Erzeuger in der Nähe von Stari Bar direkt verkaufen – frischer und günstiger als in Touristenläden anderswo in Montenegro. Eine gute Flasche natives Olivenöl extra aus Bar ist ein ausgezeichnetes und wirklich regionales Mitbringsel.
Weitere regionale Erzeugnisse
- Honig: An den Hängen rund um Bar wird hervorragend geimkert; regionaler Honig – vor allem Salbei- und Wildblütenhonig – ist überall zu bekommen.
- Wein: Die Region Crmnica am Skadarsee, von Bar aus leicht zu erreichen, ist Montenegros ältestes und wichtigstes Weinbaugebiet. Vranac (rot) und Krstač (weiß) sind die charakteristischen Rebsorten.
- Getrocknete Feigen: Das milde Klima bringt ausgezeichnete Feigen hervor, die häufig getrocknet an Ständen am Straßenrand und auf Märkten verkauft werden.
- Rakija: Örtlich gebrannter Obstschnaps in Dutzenden Varianten. Am verbreitetsten ist Traubenrakija (lozovača), daneben finden sich auch Feigen-, Honig- oder Kräuterbrände.
Ausflüge von Bar aus
Durch seine zentrale Lage an Montenegros Südküste eignet sich Bar hervorragend als Ausgangspunkt für die weitere Umgebung.
Ulcinj (30 Minuten südlich)
Montenegros südlichste Stadt hat einen ganz eigenen Charakter – überwiegend albanisch geprägt, mit einer gut erhaltenen Altstadt hoch über dem Meer. Die weite Velika Plaža (Langer Strand), die sich bis zur albanischen Grenze zieht, ist einer der längsten Sandstrände der Adria. Für Ulcinj sollten Sie einen ganzen Tag einplanen.
Skadarsee ab Virpazar (45 Minuten nördlich)
Der Skadarsee, der größte See des Balkans, ist ein Nationalpark von außergewöhnlicher Schönheit. Bootstouren starten im Dorf Virpazar, das von Bar aus bequem mit dem Auto oder der Bahn zu erreichen ist. Berühmt für Seerosen, Pelikane und mittelalterliche Inselklöster.
Stari Bar ab Neu-Bar (4 km landeinwärts)
Wer in Neu-Bar wohnt, sollte auf keinen Fall den Ausflug nach Stari Bar versäumen. Die vier Kilometer lassen sich per Taxi (günstig), mit dem Linienbus oder auch zu Fuß zurücklegen (etwa 45 Minuten bergauf). In Kombination mit dem Alten Olivenbaum ergibt das einen unvergesslichen halben Tag.
Der Berg Rumija
Der Rumija (1.595 Meter) erhebt sich eindrucksvoll hinter Stari Bar und bietet anspruchsvolle Wege mit großartiger Aussicht. Der Aufstieg folgt alten Pfaden durch Wald und felsiges Gelände bis zu einer Kirche auf dem Gipfel. Für diese Tageswanderung braucht es passende Ausrüstung. Das Panorama – Skadarsee, Adria und die Berge Albaniens – ist überwältigend.
Unterkunft
Bar bietet Unterkünfte für ganz unterschiedliche Budgets. Luxusresorts wie in Budva oder Sveti Stefangibt es hier nicht; dafür sind die Preise deutlich niedriger und das Erlebnis ist authentischer.
Uferpromenade in Neu-Bar
Vom Zentrum aus sind Restaurants, Markt, Fährterminal und Bahnhof schnell erreicht. Das Angebot reicht von modernen Apartments bis zu einigen wenigen Hotels. Die praktischste Wahl, wenn Sie eine Fähre nehmen oder Bar als Zwischenstation nutzen.
Sutomore
Die größte Auswahl an günstigen und mittleren Unterkünften in der Nähe von Bar. Gut an Bahn und Bus angebunden, mit langem Strand und allem, was ein Urlaubsort braucht.
Čanj
Eine ruhigere Alternative zu Sutomore, landschaftlich reizvoller gelegen und überwiegend mit Apartments.
Utjeha
Die ruhigste Adresse, ideal für alle mit Auto, die dem Trubel ganz entkommen wollen. Es dominieren kleine familiengeführte Apartments und Villen.

Anreise
Bar ist über mehrere Verkehrsmittel gut erreichbar – für einen montenegrinischen Küstenort ungewöhnlich.
Mit dem Flugzeug
Der nächste Flughafen ist Podgorica (Golubovci), etwa 50 Minuten mit dem Auto oder eine Stunde mit der Bahn entfernt. Der Flughafen Tivat liegt rund 90 Autominuten weiter nördlich. Beide werden aus großen europäischen Städten angeflogen, im Sommer mit dichterem Flugplan.
Mit der Bahn
Die Strecke Bar–Belgrad bietet Direktverbindungen nach Podgorica (eine Stunde), Kolašin, Bijelo Polje und Belgrad – eine der schönsten Panoramafahrten Europas. Der Bahnhof liegt zentral.
Mit dem Bus
Regelmäßige Verbindungen führen von Bar nach Budva, Kotor, Herceg Novi, Ulcinj, Podgorica sowie zu Zielen in Serbien, Bosnien und Albanien. Der Busbahnhof liegt direkt neben dem Bahnhof.
Mit der Fähre
Die Nachtfähre aus dem italienischen Bari stellt eine direkte Seeverbindung her. Wenn im Morgendunst die montenegrinischen Berge auftauchen, ist das ein Auftakt, den man nicht vergisst.
Mit dem Auto
Bar liegt an der Adria-Küstenstraße (E65/E851). Fahrzeiten: Budva (1 Stunde), Kotor (1,5 Stunden), Ulcinj (30 Minuten), Podgorica (50 Minuten).
Praktische Tipps

Stari Bar und den Alten Olivenbaum verbinden. Die beiden Sehenswürdigkeiten liegen fußläufig beieinander und ergeben zusammen den perfekten halbtägigen Ausflug von Neu-Bar aus. Gehen Sie am Vormittag, um der Mittagshitze zu entgehen – im Sommer besonders ratsam.
Bar ist eine Arbeitsstadt, kein Ferienort. Stellen Sie sich darauf ein. Die Uferzone ist erheblich aufgewertet worden, doch das polierte, ganz auf Touristen ausgerichtete Flair von Budva oder Kotor hat Bar nicht. Dafür bietet es Authentizität: echte Märkte, echte Cafés, echte Wohnviertel. Viele Reisende finden gerade das lohnender.
Auf die Markttage achten. Am belebtesten und am besten bestückt ist der Markt vormittags, besonders samstags. Hier finden Sie die besten regionalen Erzeugnisse, Olivenöl und Käse. Kommen Sie vor 10 Uhr, dann erleben Sie ihn in vollem Betrieb.
Ein paar Wörter lernen. Durch die gemischte Bevölkerung hören Sie in Bar Montenegrinisch/Serbisch, Albanisch und gelegentlich Türkisch. Ein paar Wörter in der Landessprache – "hvala" (danke), "dobar dan" (guten Tag) – öffnen Türen, in Bar wie überall in Montenegro.
Im Sommer ist die Fähre ausgebucht. Wenn Sie im Juli oder August die Fähre Bar–Bari nehmen wollen, buchen Sie rechtzeitig – erst recht mit Fahrzeug. Wer ohne Auto reist, kommt in der Regel leichter unter, doch die Kabinen sind schnell vergeben.
In der Nähe von Stari Bar Bargeld mitnehmen. Die Restaurants und Geschäfte rund um Stari Bar sind häufig Familienbetriebe, die keine Karten akzeptieren. Geldautomaten finden Sie problemlos im neuen Stadtteil Bar.
Sonnenschutz in Stari Bar Auf dem Ruinengelände gibt es so gut wie keinen Schatten. Denken Sie an Hut, Sonnencreme und Wasser. Am frühen Morgen oder am späten Nachmittag lässt es sich hier deutlich angenehmer wandeln als in der Mittagshitze.
Bar als Ausgangspunkt Wer den Süden Montenegros erkunden möchte – Ulcinj, den Skadarsee, die Berge –, findet in Bar einen praktischen und preiswerten Ausgangspunkt. Die Stadt liegt zentral, ist gut angebunden und deutlich günstiger als die berühmten Küstenorte weiter nördlich.
Bar ist vielleicht nicht das erste Ziel, das einem bei Montenegro einfällt – und genau darin liegt sein Reiz. Die Stadt belohnt alle, die über das Naheliegende hinausschauen: die einen Hang hinaufsteigen, um Ruinen zu entdecken, die es mit allem im Mittelmeerraum aufnehmen können, und die Olivenöl kosten möchten, gepresst aus Bäumen, die schon alt waren, als Rom unterging. Hier zeigt sich Montenegro von seiner echtesten Seite: unaufgeregt, vielschichtig und voller stiller Überraschungen.
Bar, Montenegro – eine Hafenstadt mit antiken Wurzeln, darüber auf dem Hügel eine mittelalterliche Ruinenstadt und 46 Kilometer Adriaküste, die darauf warten, entdeckt zu werden.






