
Fünf Kilometer landeinwärts von Ulcinj weicht die Küstenstraße der Ebene von Ulcinj — flaches, fruchtbares Land mit Reben, Oliven, Granatäpfeln und Feigen, bewirtschaftet von Familien, die seit Generationen darauf sitzen. Ruhiges Bauernland: Reihen von Vranac und Krstač, steinerne Schuppen, Traktoren auf dem Feldweg in der Dämmerung, und landeinwärts schließt der lange Rumija-Kamm den Blick ab. Wein wird in diesem Winkel des Landes seit sehr langer Zeit gemacht, und wer zwischen den Weinbergen wohnt, richtet sich nach deren Kalender — Blüte im Mai, Lese im September, die Presse läuft bis in den Oktober.
Bis zum Meer sind es trotzdem nur Minuten. Unterhalb zieht sich die Velika plaža mit ihrem dunklen Sand an der Küste entlang, und zwischen den Feldern und dem Ufer liegen die Lagunen der alten Saline, in denen Flamingos und Reiher im Frühjahr und Herbst Nahrung suchen. Weiter im Landesinneren liegt der Šasko-See in seinen Schilfgürteln, eines der artenreichsten Vogelgebiete Montenegros und ein frühes Aufstehen wert. Ulcinj selbst — die befestigte Altstadt auf ihrem Felsen, der Hafen, die Mala plaža — liegt eine Viertelstunde zurück Richtung Küste, der Fluss Bojana mit seinen hölzernen Fischlokalen etwa ebenso weit in die andere Richtung. Auf den Tisch kommt, was in der Nähe wächst: Olivenöl, Schafskäse, Lamm, Flussaal, Feigen noch warm vom Baum.
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